Donnerstag, 4. November 2010

Festival Season

Zur Zeit befindet sich Indien mitten in der Festival Saison. Während meines Aufenthaltes hier bekomme ich 3 wichtige Festivals mit: Ganesha, Dasserra und Diwali. Dann gibt es noch ein weiteres großes Festival irgendwann im Januar, von dem ich mir den Namen nicht merken kann, es ist so etwas wie Ernte Dank. Neben diesen großen wichtigen Festivals gibt es noch jede Menge andere kleine je nach dem in welcher Region man sich gerade aufhält. Da blickt wohl niemand so genau durch und dadurch sind die Feiertage in den verschiedenen Staaten auch total unterschiedlich.
Die großen Festivals dauern immer mehrere Tage, vergleichbar mit Weihnachten oder Ostern bei uns. Ganesh ist eine Gottheit mit Elefantenkopf die auf dem Höhepunkt des Festivals im Wasser versenkt wird. Das nennt sich dann Ganesh Immersion und stellt eine gewaltige Umweltverschmutzung dar. Das liegt daran, dass nicht nur ein Ganesh versenkt wird, sondern tausende. Hier in Hyderabad wird dazu Hussain Sagar, der See mit der Buddah Statue von dem ich schon einmal berichtet habe benutzt. Ich selber habe mir das Spektakel an dem Tag nicht angeschaut, da ich mir das gewaltige Verkehrschaos nicht antuen wollte, dass entsteht, wenn sich etwa eine Million Leute zur Prozession versammeln. Für das herablassen der größeren Ganeshfiguren, die teilweise mehrere Meter hoch sein können, stehen am Ufer des Sees extra mehrere Kräne bereit. Kleine Figuren werden einfach per Hand in den See befördert. Die Aufräumarbeiten danach stelle ich mir in etwa so vor wie nach einem Karnevalszug in Köln, nur das man die Farbe der Figuren nicht mehr aus dem Wasser bekommt, nachdem sie sich einmal aufgelöst hat.
Ganesha ist das erste Festival der Saison danach folgt Dasserra ein Festival zu Beginn der Erntesaison. An Dassera werden auch Gebete für verschiedene Gebrauchsgegenstände gesprochen. Für mich äußerte sich das so, dass ich plötzlich einen Punkt rote Farbe auf meinem Monitor und PC im Büro wiederfand. Außerdem werden an Dassera traditionelle Tänze aufgeführt. Ich selber habe so eine Aufführung in Shilparamam gesehen. Es war wirklich beeindruckend wie perfekt die zumeist jungen Damen die Tanzschritte einstudiert haben. Obwohl der Tanzstil natürlich sehr verschieden ist hat es mich an amerikanische Cheerleader oder deutsche Funkenmariechen erinnert. Ohne den Einsatz der Eltern wäre dies bestimmt nicht möglich.
Über Shilparamam werde ich, falls ich Zeit finde vielleicht noch einmal kurz berichten. Es lohnt sich auf jeden Fall, dort einmal einen Abend zu verbringen um Souvenirs zu kaufen.
Als nächstes steht nun Diwali vor der Tür, das wohl wichtigste Festival des Jahres in ganz Indien. Diwali ist das Festival des Lichts. Bereits seit einer Woche werden in großem Stil Feuerwerkskörper verkauft, wie man es bei uns nur von Sylvester her kennt. Außerdem werden Laternen aufgehängt und mit Teelichtern beleuchtete Rangolis angefertigt. Ein Rangoli ist ein Bild auf dem Fußboden oder auf der Strasse, das aus verschiedenfarbigen Pulvern angefertigt wird. 
Zu den Festivals werden auch viel mehr Blüten verkauft als sonst. In Indien werden Girlanden aus Blüten als Dekoration angefertigt, so ähnlich wie die Blütenketten die man auf Hawaii umgehangen bekommt.
Ich werde Diwali leider nicht richtig miterleben, da ich für diesen Abend eine Zugfahrkarte nach Hampi gebucht habe. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nichts von Diwali. Ich hoffe einfach, dass ich im Zug auch was von dem Feuerwerk sehen kann.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Nagarjuna Sagar

Nach längerer Pause, heute endlich mal wieder ein neuer Eintrag über meinen Trip nach Nagarjuna Sagar, der nun schon etwas zurückliegt. Nagarjuna Sagar ist ein gewaltiger Staudamm und Stausee, südöstlich von Hyderabad gelegen. Mit dem Bus benötigt man von der Mahatma Gandhi Bus Station gute 4 Stunden um dort hinzugelangen, die Fahrkarte kostet umgerechnet etwa 2 Euro.
Der Damm wurde von 1956 bis 1974 errichtet. Er ist ein Mutlifunktionaler Damm, d.h. er wird nicht nur zur Stromerzeugung verwendet sondern hat auch sehr positive Auswirkungen auf die Landwirtschaft, auch in trockenen Perioden können nun die Felder bewässert werden. 
Die Leistung der Turbinen beträgt 815,6 MW. Leider darf man jedoch ohne eine Genehmigung vom Chief Engineer die Turbinenhalle nicht besichtigen. In den letzten Jahren wurden wohl die Sicherheitsvorkehrungen bei so strategisch wichtigen Zielen enorm erhöht, das bemerkt man hier immer wieder. Früher durfte man die Straße, die über den Damm führt betreten um sich alles aus der Nähe anzusehen. Das ist heute überhaupt nicht mehr möglich.
Man sollte nach Möglichkeit am Ende der Regenzeit dorthin fahren, sprich Mitte September, da dann der Stausee bis zum Rand gefüllt ist. Wenn man Glück hat, werden dann die Tore an der Oberkante des Damms geöffnet, da der See ansonsten einfach überlaufen würde. Die Chance alle 26 Tore offen zu sehen besteht leider nur sehr selten, an diesem Wochenende waren aber immerhin 8 Tore geöffnet, was auch schon beeindruckend aussieht. Sonntags waren dann auch richtig viele Menschen dort, um sich das Spektakel anzuschauen.
In der Nähe von Nagarjuna Sagar findet man noch Ettipotala einen wunderschönen Wasserfall, wenn man einmal dort ist sollte man sich den Anblick nicht entgehen lassen.
Da ich von einem bekannten Studenten nach Nagarjuna Sagar eingeladen worden bin, hatte ich die einmalige Möglichkeit im Dorf direkt neben dem Damm, in dem seine Eltern wohnen, zwei Nächte zu verbringen.
Leider habe ich mir dabei an den unglaublich niedrigen indischen Türen (ca. 1,70m-1,80m) mehrfach den Kopf gestoßen. Das Problem dabei ist nicht so sehr, dass die Türen so klein sind sondern, dass sie auch noch unterschiedlich hoch sind. Hat man sich also einmal auf die Höhe eingestellt und beugt seinen Kopf entsprechend, stößt man bei der nächsten Tür unweigerlich mit voller Wucht an. Kleiner Tipp von mir für ähnlich große Zeitgenossen: Immer mit einer Hand vor der Stirn durch Engstellen bewegen, auch in indischen Bussen kann es schon mal recht niedrig zugehen.
Ansonsten war es aber sehr angenehm in dem Dorf und ich fand es sehr interessant mal die einfache  Lebensweise der Inder kennen zu lernen. Allerdings gibt es dort kein fließendes Wasser, bzw. nur an einer Stelle im Haus und der Strom fällt mehrmals am Tag für längere Zeit aus. Die hygienischen Verhältnisse waren aber trotzdem einwandfrei. Vom Luxusniveau kann man es vielleicht am ehesten mit einem Campingplatz vergleichen.
Auf der Rückfahrt hab ich dann die schöne Natur mit jeder Menge Palmen genossen, die ich auf der Hinfahrt nicht sehen konnte, da es schon dunkel war.

Mittwoch, 29. September 2010

Ayodhya

Morgen soll das Urteil im Fall Ayodhya gesprochen werden. Es handelt sich hierbei um einen Streit zwischen Hindus und Muslimen.
In der uralten Stadt Ayodhya wurde eine Moschee auf den Ruinen eines Temples errichtet. Die Moschee wurde 1992 wiederum von Hindus zerstört.  Hm, das kommt einem doch irgendwoher bekannt vor.
Wer mehr wissen will sollte den Wikipedia Artikel lesen oder andere Quellen die es in großer Zahl im Internet gibt. Das ganze Dilema begann aber scheinbar schon 1885 und hat zahlreiche Klagen nach sich gezogen, die sich bis zum heutigen Tage hinziehen. Ich blicke selber noch nicht so ganz durch, jedoch gibt es scheinbar regelmäßig Unruhen und gewaltsame Übergriffe im Zusammenhang mit Ayodhya.
Besonders hier in Hyderabad wo die Bevölkerung jeweils zur Hälfte aus Muslimen und Hindus besteht sollte man morgen auf der Straße extrem vorsichtig sein. Da auch noch die Commonwealth Spiel unmittelbar bevorstehen sind die indischen Sicherheitskräfte zur Zeit in erhöhter Alarmbereitschaft. Das Gericht wo das Urteil gesprochen werden könnte, falls es nicht wieder verschoben wird, soll einer Festung gleichen.
Ich bin mal gespannt ob ich morgen etwas davon mitbekomme. Einige Leute haben mir sogar geraten vielleicht besser zu Hause zu bleiben.

Mittwoch, 15. September 2010

Geburtstagspost

Heute ist mein Geburtstag. Ich erwähne es deswegen, weil ich von meiner Familie eine Karte in einem Brief bekommen habe und einige sich bestimmt fragen werden, wie lange denn die Post von Deutschland bis Indien benötigt. Der Brief kam exakt heute auf den Punkt genau hier an was ich total toll fand.
Laut Poststempel wurde er am 2.9.2010 abgeschickt. Aufgrund dieser ersten Messung können wir also schließen, das ein Brief hierher rund 14 Tage oder 2 Wochen benötigt.
Ich möchte mich auf diesem Wege auch noch mal herzlich bei meiner Familie und allen indischen Freunden die heute mit mir gefeiert haben bedanken.

Freitag, 10. September 2010

Qutb Shahi Tombs

Es ist jetzt schon eine Weile her, dass ich dort war aber ich muss auf jeden Fall noch über den Besuch der Qutb Shahi Tombs berichten. Wie ich glaube ich in meinem Post über Golkonda Fort geschrieben habe, sind dies die sieben Gräber einer Herrscherdynastie, genannt Qutb Shahi Kings, die hier in Hyderabad von 1518 bis 1687 geherrscht haben. Da es sich hierbei um ein Familiengrab handelt, sehen sich die Gebäude alle sehr ähnlich. Mir hat dieser Ort nicht nur wegen der interessanten Architektur gefallen, sondern vor allem auch weil es hier sehr ruhig und sauber ist. Sobald man den Rikshafahrern am Eingang klar gemacht hat, dass sie einen in Ruhe lassen sollen, kann man völlig ungestört die Idylle genießen und zwischen den einzelnen Gebäuden umherstreifen. 
Wenn man etwas Geld über hat und sich genauer informieren möchte, kann man sich, wie bei den meisten Monumenten in Indien, auch einen englischsprachigen Führer nehmen.
Was mich erstaunt, ist dass die Gräber sich bei den Hyderabadis nicht einer größeren Beliebtheit erfreuen. Die indische Stadtbevölkerung hat scheinbar noch nicht gelernt, wie man sich am Wochenende mal richtig entspannt.
Ich für meinen Teil werde, wenn ich Zeit dafür finde, jedenfalls noch einmal wieder kommen.
Was mir noch aufgefallen ist, scheinbar investieren die Behörden zur Zeit in Renovierungsarbeiten um das Gelände attraktiver zu gestalten und den drohenden Zerfall der einzelnen Gräber zu verhindern. Solche Monumente müssen ja im Prinzip ständig gewartet werden. Aus einigen der Zwiebeldächer kann man bereits kleine Bäume oder Sträucher herauswachsen sehen. Die verschmutzte Luft hinterlässt hier doch deutliche Spuren. Insgesamt fand ich den Zustand aber noch ganz passabel, man muss ja irgendwie auch erkennen können, das es sich hier um Jahrhunderte alte Gebäude handelt.

Montag, 16. August 2010

Steak!

Heute wurde ich für sämtliche Grillabende entschädigt, die ich diesen Sommer verpasst habe. Es war einer dieser Momente, wo es einem schwerfällt nicht in ein Dauergrinsen zu verfallen. Und zwar habe ich heute ein neues Restaurant namens "Chef Inam's Steak House 1" in Masab Tank ausprobiert.

Dies ist wohl so ziemlich der einzige Ort weit und breit wo man Rindfleisch zu essen bekommt. Aber nicht nur das, sondern es ist auch noch unverschämt gut. Für mich mit das beste Stück Fleisch was ich in meinem Leben gegessen habe, absolutes Topniveau. Nach dem was ich hier bezüglich Nahrungsaufnahme schon mitgemacht habe, hätte ich das niemals erwartet. Allein das Privileg, das Fleisch selbst mit Messer und Gabel zerlegen zu dürfen. Normalerweise wird hier in Asien ja schon immer alles vom Koch in mundgerechte Stücke zerlegt. Das sind Augenblicke in denen man einfach alle negativen Dinge vergisst, die man schon erlebt hat und sich denkt, nur dafür hat es sich schon gelohnt nach Indien zu kommen. Ich dachte bis jetzt, so zart und saftig kann Rindfleisch gar nicht sein. Ich bin mal gespannt ob ich noch weitere Läden entdecke wo man Steaks bekommen kann.

Ich denke mal, dass es außer der Zubereitung auch an der Fleischqualität liegt, dass es hier so gut schmeckt. In Europa und den USA werden die Rinder ja extrem hochgezüchtet, möglicherweise leidet darunter auch der Geschmack. Außerdem essen hier nur sehr wenige Leute Rindfleisch was sich auch im Preis wiederspiegelt. Für umgerechnet zwei Euro fünfzig bekommt man hier ein Steak, wofür man in Deutschland bestimmt 15 Euro hinblättern müsste. Abstriche muss man dabei lediglich beim Ambiente machen, da sollte wirklich noch dran gearbeitet werden. Trotzdem ist dieses Lokal bis auf weiteres für mich die kulinarische Topempfehlung in Hyderabad schlechthin.

Noch eine kleine Anekdote am Rande: Ich habe dort auch noch einen Deutschen getroffen. Er war erst 14 Jahre alt und wohnt hier bei einer indischen Gastfamilie. In diesem Alter muss das Erlebnis Indien noch mal wesentlich krasser sein. Für mich war es nach so langer Zeit ein ziemlich seltsames Gefühl mal wieder von Angesicht zu Angesicht auf Deutsch zu reden. Irgendwie habe ich mich schon daran gewöhnt, täglich Englisch zu reden, wenn auch noch immer relativ bescheiden wie ich finde. Die meisten Inder sind halt doch auch keine wirklichen native Speaker, wodurch man viel schlechte sprachliche Angewohnheiten übernimmt.

Wie dem auch sei. Ich werde auf jeden Fall bald wieder ins Steak House 1 einkehren und das nächste Steak auf der Karte probieren. Ein entsprechendes Foto werde ich dann auch nachreichen, leider hatte ich heute meine Kamera nicht dabei.

Samstag, 14. August 2010

Wäsche

Mir fällt im Moment keine Gute Einleitung ein, ich wollte einfach mal erzählen wie das mit dem Wäsche waschen hier so abläuft. Und zwar ist es in sofern ganz interessant, als dass Waschmaschinen hier in Indien im Gegensatz zu anderen technischen Spielereien wie Computer oder Handy, scheinbar immer noch sehr wenig bis gar nicht verbreitet sind. Es wird also konsequenter Weise noch per Hand gewaschen. Man kann dies entweder selber tun oder die Wäsche zum "Wasching Man" geben. Für 60 Rupien oder 1 Euro kann ich etwa 7 Kleidungstücke waschen lassen. Socken wasche ich immer selbst, alles andere lasse ich waschen.
Die Wäsche wird dann auch gebügelt. Dafür verwendet das Personal hier im Campus interessanter Weise ein mit Kohle befeuertes Bügeleisen wie man es in Deutschland noch von früher her kennt. Anderswo habe ich aber auch schon elektrische Bügeleisen gesehen, nicht dass jetzt hier grobe Vorurteile entstehen.
Nachdem ich dieses massive Bügeleisen auch mal selbst in der Hand hatte muss ich sagen, dass das Handling unglaublich gut ist, es lässt sich einfach total gut damit bügeln wohl auch wegen dem Gewicht und der Größe der Sohle. Die einzige Gefahr besteht darin, mit der Kohle aus dem Bügeleisen schwarze Flecken auf der Wäsche zu erzeugen. Ansonsten würde ich es  allen Bügeleisen vorziehen, die ich bis jetzt in der Hand hatte. Allein der dicke Griff liegt richtig schön in der Hand. Es kann natürlich sein, dass ich nach einem ausgiebigen Test meine Meinung ändern würde aber das martialische Gerät hat mich einfach total fasziniert.